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Ruhm: Ein Roman in neun Geschichten |
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von Daniel Kehlmann
Rowohlt Verlag GmbH
Durchschnittliche Kundenbewertung:     
unverb. Preisempf.: EUR 18,90
Amazon-Preis: EUR 13,95
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Aus der Amazon.de-Redaktion Ruhm heißt der neue Roman des Erfolgsschriftstellers Daniel Kehlmann. Damit niemand glaubt, dass er nun größenwahnsinnig geworden ist, hat er in einem Interview vor der Veröffentlichung betont, dass der Titel ironisch gemeint sei. Geistreicher Witz und subtile Ironie - diese beiden Stärken spielt Kehlmann in der Tat auch in seinem neuen Roman aus. Eine seiner Figuren ist Leo Richter, ein brillanter, geistreicher Bestseller-Autor. Der Verdacht liegt nahe, dass es sich um ein Alter Ego Kehlmanns handelt. Genährt wird er dadurch, dass Richter im Roman Ruhm über eben dieses Werk reflektiert. Und er schafft Figuren, die dort auftreten - ein vielschichtiges und spannendes Spiel mit Wirklichkeit und Fiktion, das auf weiteren Ebenen fortgeführt wird. Kehlmann schildert Richter auch in ironischer Brechung: Auf Reisen beispielsweise mutiert Leo, der Löwe, unter Flugangst leidend, zu einem ängstlich wimmernden Kätzchen. Aus neun Kurzgeschichten besteht der Roman. Jede kann, mit Ausnahme der letzten, für sich gelesen werden. Einzelne Figuren oder Fäden der einen Geschichte werden in der nächsten oder einer späteren Geschichte weitergesponnen und zu einem Roman verwoben. Ruhm ist voller intertextueller Bezüge und Querverweise. So zitiert Kehlmann paraphrasierend aus Goethes Faust. Aber man muss nicht alles erkennen, um dem Roman folgen und ihn mit Genuss lesen zu können. Ruhm ist ein Literatur gewordener Episodenfilm, spannungsreich und mitreißend geschrieben. Pointiert und treffsicher sind die Schilderungen: Ein Satz oder eine Geste reichen bei Kehlmann aus, um Bilder entstehen und Situationen klar werden zu lassen. Den begeisterten Lesern von Die Vermessung der Welt und Ich und Kaminski wird auch Ruhm gefallen. -- Elisabeth Müller "
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    Gefangen im literarischen Spinnennetz, 2010-03-08 Comment: Daniel Kehlmann (34), der Autor vom Bestsellerroman "Die Vermessung der Welt", konnte bei der Konzeption seines neuen Buches "Ruhm" die Finger nicht vom literaturwissenschaftlichen Experimentierkasten lassen.
So ganz und gar unkonventionell kommt "Ruhm" in Aufbau, Struktur und Grundidee daher. Neun Episoden reihen sich nebeneinander, jede mit ihrer ganz eigenen Sprache, jede mit einem anderen Blickwinkel. Zugegeben, es stellt sich beim ersten Durchblättern die Frage, ob diese Geschichten mit Titeln wie "Ein Beitrag zur Debatte" oder "In Gefahr" überhaupt zusammenhängen.
Die auffälligste Gemeinsamkeit aller Geschichten ist die Frage danach, in wie weit äußere Einflüsse das Leben bestimmen. In "Ruhm" zeichnet Kehlmann ein facettenreiches Figurenkabinett unserer heutigen Gesellschaft: Da wäre zum einen ein neurotischer Schriftsteller, der sich seine Lieblings-Romanheldin nach dem verbesserten Bildnis seiner schnöden Lebensgefährtin baut. Oder der Schauspieler Ralf Tanner, der nach einem "Fluchtversuch" aus seinem goldenen Käfig als Doppelgänger nicht mehr zurück in sein wahres Leben findet. Oder der Blogger, ein Muttersöhnchen, das in der Realität ein wahres Versagerleben führt, doch in Internetforen den prolligen Kompetenzbeauftragten für jede Lebenslage mimt.
Alle Figuren wurden in eine Gesamt-Story verwoben, die zwar keinen richtigen Anfang, kein Ende und keine echte Hauptfigur hat, in der jedoch alle Handlungsfäden zusammenlaufen. Jede Geschichte löst an einem oder an mehreren Punkten einen Handlungsstoß für eine andere aus. Als Schubser für diesen Dominoeffekt dienen die Kommunikationsmittel unserer Zeit, das Mobiltelefon und das Internet. Heraus kommt eine bunte Geschichte, die stellenweise den Unterhaltungswert einer Verwechslungskomödie hat.
Mit Hilfe der Schnitttechnik führt Kehlmann unvermittelt neue Personen ein und neue Handlungsläufe beginnen. Mehrere Ansichten laufen gleichzeitig, werden aber nacheinander erzählt. Ist der Blogger Mollwitz in der Geschichte "In Gefahr" nur ein weiterer Typ, der den Schriftsteller Leo Richter von der Seite anquatscht, so ist der Internetjunk wenige Seiten weiter plötzlich der Nabel seiner eigenen Welt im Kontrast dazu vertreten durch einen seltsamen Internetslang. Dabei wechselt Kehlmann gekonnt von einem Stil zum anderen und behält stets den souveränen Umgang mit der Peinlichkeit seiner Figuren bei.
Daneben gibt "Ruhm" dem Leser Signale zu gesellschaftlichen Verfremdungen und unterschiedliche Wahrnehmungswelten. Kehlmann agiert ähnlich wie Tolstoi, vieles seiner Figuren spielt sich im Inneren ab. Das Betrachten der Welt mit unterschiedlichen Augen erzeugt den Eindruck, als ob etwas zum ersten Mal beschrieben wird. Ein Handwerksgriff, der zur Abwechslung im Lesevergnügen beisteuert.
Auf einen Ausflug in die literaturtheoretischen Metaebene entführt Daniel Kehlmann in die Geschichte "Rosalie muss sterben", in der er das Verhältnis zwischen Autor, Leser und Figur behandelt. In dieser Episode fleht die schwerkranke (sich selbst erkennende) Hauptfigur Rosalie auf dem Weg zur Klinik für Sterbehilfe den Autor an, er möge das Schicksal von ihr abwenden. Hier wechseln augenblicklich die Ebenen, exponierte Bittrufe der Figur unterbrechen die Erzählung und die Geschichte tritt aus dem üblichen räumlich-zeitlichen Spektrum von Erschaffer und Erschaffene heraus. Kehlmann thematisiert an dieser Stelle den Kommunikationsprozess in der Literatur - ganz nach Bachtins Theorie des zweistimmigen Wortes, der Stimme des Autors und der fremden Stimme, die sich überlagern - und stellt so die literarischen Vorstellungen der Rollen von Leser, Figur und Autor auf den Kopf.
Als Gesamtaussage bleibt zurück: Der Roman stellt die fremden Sprachen ins Recht, lässt die Wirklichkeit mit der Fiktion verschwimmen, spricht sich gegen die eine Wahrheit, den abgeschlossenen Text und die Verweigerung des letzten Wortes aus. Der Poststrukturalismus lässt grüßen.
Aber was macht "Ruhm" zu einem guten Roman? Seine Unfertigkeit. Die Erzählung ist keine von Widersprüchen gereinigte Welt. Die ungeschriebenen Teile sind bei "Ruhm" die eigentlich interessantesten. Denn zwangsläufig bindet Kehlmann den Leser selbst in den Schaffensprozess mit ein. Der Autor bietet die unterschiedlichsten Perspektiven und Bewertungsvorschläge an. Doch es findet sich kein hilfreicher Wink von ihm wieder, der die Verhältnisse zwischen den Figuren ausformulieren könnte; der Leser ist in diesem literarischen Spinnennetz auf sich allein gestellt. Der Leser soll entdecken. Er ist derjenige, der die unklaren Beziehungen und Leerstellen in diesem komplexen Geflecht an Verbindungen zusammenleimt. Somit setzt der Leser den letzten Stein auf die Endfassung des Textes.
Der Roman "Ruhm" ist ein handwerklich gelungenes Buch, das auf die Konfusion der Sprachen in einer globalisierten, ständig miteinander vernetzten Welt aufmerksam macht. Schönheitsfehler wie die teilweise eindimensional überzeichneten und ins klischeehafte entrückt Figuren sollen diesen guten Eindruck nicht trüben. Denn "Ruhm" bedient mehrere Lesegruppen und kann sowohl auf unterhaltsame als auch tiefgängige Weise gelesen werden.
Das Spiel mit dem Experimentierkasten hat sich für Kehlmann also gelohnt.
    Man muss es nicht verstehen, um es zu Lesen!, 2010-03-07 Comment: Ich lese viel und gerne; lese alles was mich interessiert und genau deshalb habe ich mir dieses Buch gekauft. Von den Kritikern hochgelobt; von den Lesern eher kritisch betrachtet.
Wie sehe ich es...
Schwer zu sagen. Ein Roman ist es nicht, auch wenn es als solcher verkauft wird. 9 Kurzgeschichten sind es auch nicht, weil einige davon wirklich lang sind.
Zusammenhängend - ja und nein.
Mir ist z.B. immer noch nicht klar, warum die Krimiautorin verloren gehen musste. Welchen Sinn sah Kehlmann in dieser Geschichte?
Das Buch selbst ist in einem sehr guten Stil geschrieben. Er vermischt die Sprache des Autoren, mit dem des Forenschreibers (diese Geschichte z.B. ist genial!), um wieder zurückzufinden zu einem gebrochenen Mann, der sich selbst zu dem macht.
Als ich das Buch heute geschlossen habe (4.5.09), dachte ich mir: Man muss es nicht verstehen, um es zu Lesen.
    Oberflächlich, konstruiert, leer, 2010-02-23 Comment: Selten habe ich ein so leeres Buch gelesen. Drinnen steckt nur die Eitelkeit des Autors. Ziel dieses Buches - wie schon die vorigen Kehlmanns Bücher - ist eindeutig die ehrfurchtsvolle Erstarrung des Lesers vor dem Autor. Ehrfurcht kann sich nicht einstellen, da vorher der Schlaf aus Langeweile zuschlägt. Starre stellt sich nur im Text ein. Wie ein bekannter Kritiker mal meinte: "Es gibt zu viele Bücher, als daß man ein schlechtes lesen müsste"
    Banale Geschichten, teilweise interresant geschrieben, 2010-02-21 Comment: Das Büchlein "Ruhm" von Daniel Kehlmann besteht aus mehreren Kurzgeschichten, die teilweise so banal sind, das ich manchmal schneller gelesen habe, nur um endlich auf etwas interessantes zu stoßen. Die Tatsache, dass die Geschichten, bzw. die darin enthaltenen Personen, irgendwie zusammenhängen, macht es nicht besser. Zwei Sterne für den teilweise interessanten Schreibstil.
    Belanglos - vielleicht ist gerade das eine Meisterschaft?, 2010-02-21 Comment: Dieses Buch ist eine Sammlung aus neun Geschichten. Thematisch ist ihnen gemein, dass es um Personen geht, die in einem Identitätskonflikt stehen (wo soll ich hin? was will ich machen? was passiert mit mir), wobei die zunehmende Schnelllebigkeit der Zeit (Reisen, Internationalität) und insbesondere moderne Kommunikationsmedien (Internet, Mobiltelefon) eine Rolle spielen. Da ist z.B. ein Techniker, der ein Handy bekommt, dessen Nummer bereits vergeben ist, ein Schrifsteller der sich auf einer als sinnlos empfundenen Lesereise befindet, ein Abteilungsleiter in einer Handy-Gesellschaft mit einer außerehelichen Affäre, etc.. Weiterhin sind die Geschicthen konstruktiv miteinander verbunden dergestalt, dass die Hauptpersonen in einer Geschichte als Nebenfiguren in einer anderen auftauchen bzw. manche Personen auch mehrfach Hauptpersonen sind. Schließlich besteht eine Verwebung der Geschichten, indem ein Schriftsteller, der Hauptperson zweier Geschichten ist, Autor weiterer Geschichten ist (und in diesen zudem einen inneren Monolog mit seinen Figuren hält). So entsteht neben der litearischen Ebene des Buches selber eine zweite innerhalb des Buches. Diese Konstruktion des Virtuellen im Virtuellen ist Teil der Gesamtaussage, in der es darum geht, dass das Leben von Menschen konstruiert ist und sich nur in der Wahrnehmung anderer 'eigentlich' abspielt - eine These, die wir aus Psychologie, Soziologie und Designtheorie seit den 70ern kennen (und die dort fachlich weitgehend anerkannt ist), die nun durch das Internet aber eine noch breitere, weniger wissenschaftliche, ästhetischere Rezeption verfährt.
Ich halte das Buch für misslungen. Es hat mich sehr gelangweilt und hinterlässt für mich keine wertvolle Aussage und keinen Charakter. Gründe:
* Kehlmann scheitert an der Gesamtkomposition. Die soll innovativ und eindrucksvoll sein. Das wäre im Prinzip auch möglich, wenn er sie denn beherrschen würde. Tut er aber nicht. Im steten Bemühen, nur ja falsche Fährten zu legen und möglichst virtuell und ungreifbar zu bleiben, gerät es ihm zu einem Durcheinander und man ist bei einer weiteren Verquickung und Einführung einer Ebene eher genervt und denkt sich: Ach nee, Junge, das ist billig. Und Du kannst das einfach nicht.
* Seine Grundthese ist in ihrer Rezeption zu billig. Er interpretiert die Nutzung von Mobiltelefon und Internet und ihre gesellschaftlichen Implikatiolen völlig übertriebnen, als ob wir uns dadurch völlig in der Welt verlieren, ein anderer Mensch auftritt, sich eine andere Welt entwickelt. Das sind die unausgegorenen Gedanken eines schlecht ausgebildeten Zeitgeistjournalisten, der für die monatliche Ausgabe eines Magazins mit viel Bildern und viel Platz zwischen den Zeilen schreibt, und sich nicht drum sorgen muss, wenn er nächstes Jahr das völlige Gegenteil von dem schreibt, was er dieses Jahr schreibt. Sein Publikum will für den Moment geborene Sensationen und die bekommt es. Von einem Schriftsteller erwartet man mehr Reflexion, Wahrheit, hintergründige Weltsicht. Das hier ist intellektuell eher ein lang gewordenes mittelklassiges Essay. Wenn man wohlwollend ist könnte man sagen: Ja, das ist belanglos - aber es ist ja Literatur einer belanglosen Welt, die Handytarife, Facebookeinträge und die richtige Espressomaschine für wichtige Dinge in der Welt hält, und die belanglose Individualität zum Kern ihrer Existenz erklärt hat. Wenn man dann noch behauptet, dass Literatur ein Ausdruck der Welt sein soll, dann spiegelt der belanglose Roman meisterhaft die Belangslosigkeit der Welt. Ich fürchte aber, dass diese Interpretation ein Wunschtraum ist.
* Die Hauptschwäche ist schließlich die Sprache. Die beiden anderen Punkte wären zu ertragen, wenn man das Buch gut lesen könnte. Aber diese Sprache ist Pennälerprosa. Ein Oberstufenschüler (maximal Germanistikstudent), der sich in Literatur probiert, aber eher fachliche Kenntnisse anwendet als wirklich Poesie zu empfinden. Kostproben: "Sie hatte ihre Fingernägel in seinen Rücken geschlagen, die Augen einwärts gedereht und sich in seiner Schulter verbissen, und als sie einige kraftraubende Stunden später durch den frühen Morgen heimwärts gefahren war, hatte sie gewusst, dass sie ihn widersehen wollte, und dass es in ihrem Leben vielleicht Platz für ihn gab." (Man hört, dass die Liebesszenen hart an "Julie - eine Liebe wie ein Orkan" kratzen) - oder: "Er begann, mehrmals am Tag seinen Namen bei Google aufzurufen, korrigierte den von Fehlern strotzenden Wikipedie-Artikel über sich, kontrolliete die Rollenlisten in allerlei Datenbanken, übersetzte sich mühsam die Meinungen der Teilnehmer aus spanischen, italienischen und holländischen Diskussionsforen" (das könnte - in der Ich-Form geschrieben - aus dem Erlebnisaufsatz "Meine letzten Ferien" eines Prominenten stehen) - oder: "Der Gesang ging noch eine Stunde weiter, bevor eine Abordnung von Schülerinnen ihnen selbst zubereiteten Schweinebraten mit Mayonnaise anbot" (hier wirkt der Satz ungefähr so fett-ranzig wie das genannte Gericht und die Ungenauigkeit, ob es sich um ein von den Schülerinen selbst zubereite Speise oder von ihnen selbst angebotene handelt, war zu Zeiten der Einführung der Rechtschreibreform ein beliebtes Sujet ironischer Artikel). - Zugegeben, das wären schon schlimmere Exemplare, aber der ganze Rest ist vielleicht nicht schlimm, aber sehr schwach.
Im ganzen also leider eine absolute Nicht-Empfehlung und ein weiteres erschreckendes Beispiel dafür, was heutzutage durch die offensichtlich wenig ausprägte Qualitätskontrolle von Verlagslektoraten geht bzw. von in einer eigenen Welt lebenden Feuilletonisten hochgejazzt wird.
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Bindung: Gebundene Ausgabe EAN: 9783498035433 ISBN: 3498035436 Label: Rowohlt Verlag GmbH Hersteller: Rowohlt Verlag GmbH Seiten: 203 Erscheinungsdatum: 2009-01-16 Herausgeber: Rowohlt Verlag GmbH Studio: Rowohlt Verlag GmbH |
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